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Schulchronik
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Die 50er Jahre
In den ersten Jahren nach der Einweihung der Schule spielt die Politik eine Rolle im Ablauf des Schullebens. Schülerinnen spenden für die Ostzone, der Tag der deutschen Einheit und die Wiedervereinigung des Saarlandes werden gefeiert. Man macht sich Gedanken über Haushaltsführung und Berufstätigkeit.

März 1955   Einweihungsfeier der katholische Mädchenschule, Klassen 1 bis 8, für 400 Schülerinnen, Rektorin Christine Flecken. Die Rheinische Post titelt: "Einzug der Burgfräulein".

Dez. 1955   Die Schülerinnen spenden für die Ostzone.
Zitat Schulchronik: "Die Adventsarbeit stand unter dem Leitgedanken: ‚Tätige Liebe für unsere notleidenden Brüder und Schwestern in der Ostzone'. Unsere Kinder spendeten wertvolle Lebensmittel, Süßigkeiten vom Nikolausteller, brauchbare Kleidungsstücke, besonders Wollsachen und Schuhe. So wurden 26 Pakete von der Schule abgeschickt. Auch die Postgebühren in Höhe von 25 DM wurden von den Schülerinnen der Klassen V, VI und VII gespendet."

April 1956   Einweihung des von der Elternschaft gestifteten Bildstockes.

März 1956   Zitat Schulchronik: "'Die Bedeutung des hauswirtschaftlichen Unterrichtes' hieß der Leitgedanke der Tagung der Lehrerinnen mit den Gemeindedirektoren des Kreises Kempen […]"
Dazu die Westdeutsche Zeitung vom 6. März 1956: "Die Lehrgangsleiterin, Frau Bohlen, sagte u .a., dass die noch nicht in das harte Berufsleben eingespannten Volksschulmädchen für den Hauswirtschaftsunterricht besonders aufgeschlossen seien. Sie wies auf die problematische Situation in manchen Elternhäusern hin und machte darauf aufmerksam, daß manche auf haushaltswirtschaftlichem Gebiet in den letzten Jahrzehnten nur unvollkommen ausgebildete Mutter, von dem profitierte, was die Kinder an neuen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft mit nach Hause brächten. Es sei allerdings falsch, nun die Kinder den ganzen Tag über mit Haushaltsarbeit zu belasten. Frau Bohlen ging u. a. Weiter auf die scheidungsabwehrenden Tendenzen eines gut geführten Haushalts ein […]"

Juni 1956   Der Tag der deutschen Einheit wird in der Schule gefeiert.

Jan. 1957   Aus der Schulchronik: "Heute fand aus Anlaß der Wiedervereinigung des Saarlandes eine Schulfeier statt. In jeder Klasse wurde eine Gedenkstunde gehalten, die der Bedeutung dieses Tages in gebührender Weise Rechnung trug. Es wurde besonders darauf hingewiesen, dass dieser Tag der erste Schritt zur Wiedervereinigung war. Die Feier schloß mit dem ‚Deutschlandlied'. Danach war schulfrei."

März 1957   Verabschiedung der Oberklasse unter dem Leitgedanken: "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernten wir!"

April 1957   Käthe Dohmen wird nach Pensionierung von Christine Flecken Rektorin.

Jan. 1958   Der zweite und letzte Bauabschnitt der Schule ist fertig gestellt.

März 1959   Entlassungsfeier. Die Oberklasse spricht und singt zu dem Thema: "Im Beruf wollen wir dem Materialismus nicht verfallen!".

Die 60er Jahre     nach oben
Bewegte Zeiten: durch Lehrermangel und Schulraumnot wird der Unterrichtsablauf behindert.
Ende der 60er Jahre diskutiert man heftig über Schulreform und kommunale Neugliederung. Aus der katholischen Mädchenschule wird die katholische Grundschule Hüls.

Juli 1960   Zitat aus der Schulchronik: "Auch in Hüls macht sich der große Lehrermangel bemerkbar. Zur Behebung der größten Notlage bittet man pensionierte Lehrer wieder den Schuldienst aufzunehmen.".

März 1962   Die "Neuen Medien" halten Einzug: Die Schule erhält ein Tonfilmvorführgerät.

Nov. 1963   Die neue evangelische Schule in Hüls wird eingeweiht.

1966/1967   gibt es zwei Kurzschuljahre, weil das neue Schuljahr statt wie bisher nach den Osterferien in der BRD einheitlich nach den Sommerferien beginnen soll.

Feb./März 1968   ist im Gespräch, ob die Sommerferien auf sieben Wochen verlängert werden sollten. Dazu die Rheinische Post am 19.3.68:"Eltern antworten dem Kultusminister: Keine Experimente mit den Ferien. Die Eltern in Nordrhein-Wetfalen sind nicht für Experimente: Die überwiegende Mehrheit aller Mütter und Väter schulpflichtiger Kinder wünscht, dass rund zweieinhalb Millionen Jungen und Mädchen - und mit ihnen mehr als 65000 Lehrer - auch in Zukunft Ferien nach bewährtem Schema machen. […]Es wird keine Schneeferien im Februar oder März geben, es bleibt bei dreiwöchigen Oster- und sechswöchigen Sommerferien."

April 1968   wird die zweiklassige Volksschule mit zuletzt 38 Kindern in Hüls - Orbroich geschlossen.

April 1968   Aus der Schulchronik:"Mit viel Unruhe, Lehrererkrankungen und Lehrerwechsel wie in keinem Jahr zuvor geht das Schuljahr 1967/68 dahin. Dazu kommt immer wieder die bange Frage, die über aller Arbeit lastet: […] Was wird aus unserer Schule? Wie wird das Kollegium aufgeteilt werden?"

Juni 1968   Aus der Schulchronik: "Zum letzten Mal entlassen wir aus der katholischen Mädchenschule junge Menschen, die in Beruf und Leben nun in größerer Selbständigkeit sich bewähren sollen. Am 12. Juni werden 41 Schülerinnen in einer Feierstunde verabschiedet. Es liegen Freude und stille Wehmut über diesem Tag. Das Leitwort der Feierstunde lautete: ‚Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage - ja!' (Borchert)"

Juni 1968   Aus der Schulchronik: "Zwei Dinge durchzogen das ganze vorige Schuljahr und legten sich lastend und beunruhigend auf alle Arbeit: 1. Die kommunale Neugliederung 2. Die Schulreform, wie sie mit dem neuen Schulgesetz, das am 29.2.68 in Kraft trat, gegeben war. Zu 1.: Hüls wird keine selbständige Gemeinde mehr bleiben. Wohin wird es geschlagen? Drei Möglichkeiten bieten sich an:
a) Vereinigung mit Kempen zu einer Stadt
b) Vereinigung mit Krefeld
c) Dreierlösung: Vereinigung Hüls - St. Hubert - Tönisberg! Noch ist nichts entschieden […]
Zu 2.: Der Streit um die Schulreform wirkte sich zeitweilig lähmend auf jede fruchtbare Schularbeit aus. Ruhe und Freude im pädagogischen Raum waren dahin!"

Dazu einige Pressestimmen:
Rhein. Post 27.1.68 "Der Sturm der Eltern blieb aus. Stehen die Bischöfe allein?[…]Gegen die vorgesehene Regelung müssten alle Demokraten Sturm laufen. Aber die Eltern, die ja in erster Linie betroffen sind, stürmen nicht. Sie scheinen mit der starken Förderung der Gemeinschaftsschule und der Behinderung der staatlichen Bekenntnisschule einverstanden zu sein. […]"
Kirchenzeitung für das Bistum Aachen Jan. 1968 "Ernste Bedenken gegen Änderung der Verfassung und des Schulrechts in NRW"
RP 9.2.68 "Parteien bleiben beim Schulkompromiß"
RP 1.3.68 "Volksschulreform in Nordrhein-Westfalen: 650 000 Kinder werden im August Hauptschüler. Die künftige Volksschule in Nordrhein-Westfalen sieht folgendermaßen aus: Die Grundschule (1. bis 4. Schuljahr) ist die Unterstufe des Schulwesens. Die Erziehungsberechtigten bestimmen darüber, ob diese Schule Gemeinschafts-, Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule wird. […] Die Hauptschule baut ebenso wie Realschule und Gymnasium als weiterführende Schule auf der Grundschule auf. […]"

Aug. 1968   Aus der Schulchronik: "[…] Die Kath. Mädchenschule hat aufgehört zu bestehen: 171 Mädchen werden der Hauptschule überwiesen. 10.8.68 Am folgenden Tag bietet sich auf dem Schulhof ein völlig neues Bild: kleine Mädchen und auch Jungen tummeln sich dort."

1968,1969   Einladung der Eltern zu Vorträgen: "'Hier wird gehorcht' - Erziehung zwischen Zwang und Freiheit","Gibt es Grenzen der Erziehung?" und "Geschlechtsprobleme in der Zeit der Geschlechtsreifung."

Aug. 1969   Die Schule wird Versuchsschule. Aus der Schulchronik: "Ein neues Schuljahr beginnt. Unsere Schule wird ‚Versuchsschule'. Neue Lehrpläne für die Grundschule sollen in je 1 Schule eines Aufsichtsbezirkes erprobt werden. Die Pläne sehen einen ‚gemäßigten' Sachunterricht, stärkere innere Differenzierung und eine straffere sachlich-wissenschaftlich orientierte Unterrichtsweise mit dem Ziel einer echten ‚Leistungsschule' vor. Das Fach ‚Heimatkunde' wird durch den ‚Sachunterricht' ersetzt. […] Jede Klasse hat wöchentlich 3 Förderstunden: 2 Stunden für die schwächeren Schüler, 1 Stunde für die intelligenten Kinder. Im Rechnen soll die Mathematik, mit der Mengenlehre beginnend, eingeführt werden. Der Versuch läuft über 2 Jahre. […]"
Dazu die Rheinische Post vom 21.10.69: "Mathematik und Sexualkunde schon in der 1. Klasse. NRW erprobt neue Lehrpläne / Experiment an 200 Schulen"

1969   Aus Zeitungsausschnitten in der Schulchronik: "Wir hinken nach. […] Es ist offenkundig, dass die Situation der Vorschulerziehung in der Bundesrepublik durch den ‚Tatbestand der Vernachlässigung ‚ gekennzeichnet ist. […] Die Forderung für die Zukunft lautet: Die neue Grundschule muß sich auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Kinder einstellen. Sie soll nicht - wie bisher - bei allen Kindern bestimmte gleiche Fähigkeiten voraussetzen. […]
Schlusslicht in Europa […] Die Grundschulen sind das Stiefkind unseres Schulwesens. Sie haben die höchsten Klassenfrequenzen, die wenigsten Lehrer, die kleinsten Stundenzahlen, die geringsten Aufwendungen für Lehrmittel - und in Europa liegen sie bei einem Vergleich am Ende der Tabelle."

Dez. 1969   Hüls wird ein Stadtteil von Kempen. (1975 wird es dann nach Krefeld eingemeindet). Dazu die Rheinische Post vom 17.12.69: "In Düsseldorf sind die Würfel gefallen: Landtag entschied: Hüls wird Kempen zugeordnet."

Die 70er Jahre     nach oben
Stichwort: Grundschulmisere

Juli 1970   Entlaßfeier der 4. Schuljahre mit dem Spiel: "Der Streik der Schildbürgerinnen" (Motto: "Ohne Frau ist der Mann nur die Hälfte wert!"

Okt. 1970   Vortrag: "'Probleme modernen Bibelverständnisses' Ist die Bibel eine Offenbarungsquelle oder ein geschichtliches Buch wie viele andere?[…] Solche und ähnliche Fragen werden diskutiert."

Okt. 1971   Ein Schulpavillon wird eingeweiht, in dem vier Klassen Platz haben. Im Schuljahr 1971/72 besuchen 631 Kinder die Schule.
Die Rheinische Post vom 27.Juli 1971 "In Fertigbauweise wurde der Pavillonbau an der katholischen Grundschule am Herrenweg im Stadtteil Hüls errichtet. Mit vier Klassen, die das neue Schulgebäude darbietet, wird die größte Raumnot der Schule beseitigt."

Dez. 1971   Baubeginn der Turnhalle am Herrenweg.

Mai 1972   Zeitungsausschnitt aus der Welt in der Schulchronik:
"Grundschule und Schulanfang gehören zu den Notstandsgebieten der deutschen Bildungspolitik. Die Hamburger Soziologin Luc Jochimsen stuft die Grundschulen sogar als ‚Hinterhöfe der Nation' ein, so lautet der Titel ihres bei Rowohlt erschienenen Buches über ‚die deutsche Grundschulmisere'.[…] Im internationalen Vergleich belegt die bundesdeutsche Grundschule einen der letzten Plätze."
Zitat aus der Schulchronik: "Und wie sieht es in den Hauptschulen aus? Die Abgänge zu Realschulen und Gymnasien nehmen mehr und mehr zu. Weniger als 50 % aller Kinder wechseln vom 4. Schuljahr unserer Grundschule zur Hauptschule."

Juli 1972   Die städtische evangelische Grundschule Kempen-Hüls wird auf Wunsch der Eltern in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt.

1973 bis heute     nach oben
Die Schulchronik ab 1973 wird nachgetragen